TEST ERSTES REINES SERIEN MONOFOIL

TEST ERSTES REINES SERIEN MONOFOIL

Die Überschrift enthält auch die erste Differenzierung. Denn die ersten Monofoil spezifischen Flügel gibt es bereits seit 2019 von Delta Hydrofoils in Kombination mit einer 0-Fuselage. Diese ist aber noch gegen eine normale Fuselage mit Stabi austauschbar, also insofern ein Hybrid. Spleene hat sich dagegen für ein reines Monofoil Design entschieden. Während der Alumast natürlich kompatibel zu Spleene‘s Stabifoils ist, kann der Flügel mit seiner 0-Fuselage nur ohne Stabilisator verwendet werden.

Vorgeschichte Monofoiling

Bereits 2014 als ich (62 kg) mit Foilen begonnen habe, hatte Phil Caneri von Horue in einem Tutorial vorgeführt, dass man auch ohne Heckflügel stabil genug auch durch Manöver fahren kann. Entsprechend folgte dann auch mein erster erfolgreicher Test in 2015, noch mit einem der damaligen eher schwierigen 500 cm² Flügel. Dass mich die Sache nicht mehr losgelassen hatte, führte in 2016 dazu, dass ich mir für einen dann einfacheren 700 cm² Flügel meine erste 0-Fuselage gebaut hatte und in 2017 zu praktisch 100% auf Monofoiling umgestellt habe. Eine wichtige Motivation war dabei die magische Mono-Leichtwindfähigkeit, an unseren schwierigen Bergseen. Seitdem und bis heute fahre ich dazu denselben einfachen, aber auch noch sehr sportlichen 1000 cm² Flügel bei praktisch allen Bedingungen von Flachwasser bis Welle mit Kite oder Wing.

Spleene öffnete den Markt für Monofoils

Offen war der Markt trotz Deltas Hybrid Monos bisher noch nicht, aber bereit auf Kundenseite. So sind wir im Umfeld seit ein paar Jahren 3 Mono only Foiler von ca. 15 Foilern und auch andernorts sieht man viele die sich aktuell mit Selbstbaulösungen versorgen. Dass ein Markt wahrscheinlich schon in 2021 spätestens 2022 entsteht, zeigen zwei weiteren Hersteller, die Monofoil Prototypen entwickeln, Ketos seit 2019 und RRD seit 2020. Weiter beschleunigt wird der angehende Trend zum Mono auch durch das Wingen zu dem Monos noch besser passen als zum Kiten. Deswegen war es mir auch wichtig das Spleene sowohl mit Kite als auch mit Wing zu testen.

Ob Kite oder Wing das Spleene Mono past für beides sehr gut, nur auf Hersteller fremden Boards muss man die vorgelagerte Montagepositionen berücksichtigen. Das dargestellte Board wurde bereits dafür gebaut nur mit Monos zu fahren, deshalb nicht von der mittleren Positon verwirren lassen, siehe folgendes Bild

Test mit Kite und Wing

Leider bin ich nur an 3 Tagen dazu gekommen das Spleene zu nutzen, 2 davon mit eigenem 50 l Wingboard einmal mit Singleskin Kite einmal mit Wing und einen Tag mit originalem Spleene 125er Board und Matte.

Beim Einstieg und Kombination mit größeren Fremdboards zu beachten: Im Verhältnis zu den Schlaufen nach vorne verlagerte Strutposition

Einsteigertauglichkeit

Nach 5 Jahren und 500 Sessions auf Monofoils, bin ich nicht mehr der optimale Ansprechpartner für diese Frage. Falls Spleene aber mal zwei Foil interessierte Zwillinge findet, fände ich das Experiment durchaus spannend zu sehen, wer als erstes komfortabel auf dem Spleene Mono fährt, der Direkteinsteiger oder der mit dem Umweg über Stützräder. In jedem Fall müsste so ein Einstieg aber mit einem großen Board erfolgen. Ansonsten bleibt aber die übliche Empfehlung erst nach soliden Halsen mit Fußwechsel mit Stabifoils auf ein Mono umzusteigen. Sicher ist aber der Eindruck, dass das Spleene das einfachste Monofoil ist, das ich aus ca. 20 Selbstbauten bzw. Stabi-Abschraubungen, bis jetzt testen konnte, wobei auch 1500 – 2000 cm² dabei waren. Das zeigt sich vor allem beim Fußwechsel der für die Halse auch bei meinem 1000 cm² immer noch etwas Konzentration benötigt. Beim Spleene war ich hier jedesmal überrascht wie harmlos das Foil im Vergleich bei Lastwechseln reagiert. Insofern muss man wahrscheinlich auch fürs strapless Fahren nicht zwingend ein Oyvind Nostdal sein, um Erfolg zu haben, auch wenn ich das mit dem Spleene selbst nicht getestet habe. Noch ein Test der die „Einfachheit“ des Spleenes unterstreichen würde, wäre eine Fahrt im Sitzen, wozu es bisher von keinem Mono ein Video gibt, mal sehen ob es bald eins mit dem Spleene gibt.

Driften und dann wieder in der Strömung einfädeln, kann das Spleene Mono besonders gut

Freestyle Möglichkeiten

Wider Erwarten hat mir das für meine Verhältnisse sehr große Foil auch am Kite Spaß gemacht, allerdings mehr auf dem eigenen Board mit für mich passender Standbreite von ca. 70 cm. Die < 60 cm des originalen Spleene Boards würde ich empfehlen mit weitern Inserts nach Vorne und Hinten zu erweitern, um mehr Kontrolle über das Foil speziell in Driftmanövern zu haben. Drifts wie man sie auch in Spleene’s eigenen Produktvorstellungsvideos sieht, kann das Foil tatsächlich ausgezeichnet. Mit diesem Ausrufezeichen in einer Disziplin und einem Fahrer, der auch damit umgehen kann, vermeidet Spleene auch einfach nur mit einem Mono den Markt zu öffnen ohne eigene kreative Akzente zu setzen. Die Driftfähigkeit liegt dabei nicht nur in der Einfachheit der Einleitung und Kontrolle, sondern insbesondere in der Ausleitung. Das am Ende ja doch sehr einfache, aus einer geraden Fieberglasplatte gefräste, Profil nimmt die Strömung jederzeit wieder an. Ein Monofoil profitiert ja bereits davon, dass der reale Druckpunkt auch im Profildruckpunkt liegt und so die bekannten Katapultstürze von Stabifoils, wenn der Stabi Luft zieht, weitgehend vermieden werden. Beim Spleene nimmt der Flügel nachdem Luft ziehen, sofort die Strömung wieder an, was neben Drifts auch bei Sprüngen sehr positiv spürbar ist. Wenn man hier auch dazu sagen muss, dass ein Foil mit 1500 cm² und entsprechend trotz Mono immer noch gut 4 kg natürlich kein Hochsprungfoil ist. Die Geschwindigkeit ist aber dank des sehr schlanken Profils schneller als man es bei einem 1500 cm² befürchten müsste und so reicht es schon für etwas komplexere Sprünge, jenseits eines schnellen Backflips. Der 90er Strut ist in all diesem Kontext auch wieder mit Blick aufs Driften und der Toleranz gegen Luft ziehen ein guter Kompromiss.

Zickigere Bergsee und Wing, mit dem Spleene Mono ist trotzdem noch etwas Freestyle drin

Eindruck unterm Wing

Mit dem Wing war ich nur einmal unterwegs, das wäre aber die Anwendung gewesen, für die mich das Spleene interessiert hätte. Prinzipiell hatte ich am Wing trotz der etwas schwächlichen Windbedingungen auch viel Spaß. Fürs Springen hat es aber leider nur zu einem Flaka gereicht, der für mein hier sonst noch niedriges Niveau überraschend gut rumkam. Für einen Test fliegender Landungen am Wing hat der Wind aber leider nicht gereicht. Prinzipiell würde ich mir im Leichtwind bei einem großen Flügel aber doch mehr Streckung und damit noch weniger Widerstand wünschen. Wie jedes Monofoil ist das Spleene hier zwar nicht schlecht, für ein absolutes Leichtwindwunder ist die Form aber dann doch zu gedrungen. Was man am Wing bei Leichtwind aber auch Welle ggf. auch vermissen könnte, ist die Pumpfähigkeit. Der Konjunktiv ist aufgrund des kurzen Tests gewählt, allerdings habe ich weder am ausgehakten, neutralen Kite noch am Wing an der Fronthandle, einen Rhythmus gefunden das Foil produktiv zu pumpen, was mich bei 1500 cm² etwas überrascht hatte. Zum Vergleich mein 1000 cm² ist definitiv auch kein guter Mono-Pumper trotzdem schaffe ich damit mit Wing an der Fronthandle inzwischen über 100 m. Das Thema ist aber definitiv viel Gewöhnungssache und eine Suche nach einem persönlichen Takt für den jeweiligen Flügel, den hier vielleicht andere noch finden können.

Für den Test bereits leicht entschärfte Tipspitze und nach dem Bild und vor dem Test auch noch die Mittlere

Optimierungspotentiale

Zur Kritik im letzten Absatz und einem Teil des folgenden sei daran erinnert, dass Spleene das erste Monofoil zu Recht nicht für die vereinzelten fortgeschrittenen Monofoiler designt hat, sondern für die größere Zahl der interessierten Mono Einsteiger, was einige Aussagen wie zum Leichtwindglide und Pumpen relativiert. Einfach zu lösen und auch für Einsteiger wichtig wäre dagegen die auch schon erwähnten, zusätzlichen breiteren Schlaufenstance Optionen auf dem Brett. Noch einfacher zu lösen wäre der größte Kritikpunkt, der aber nicht nur Spleene trifft: Die zwei Wingtips und der 0-Fulselage Auslauf ist unnötigerweise spitz und messerscharf. Um hierzu aber noch etwas Positives zu sagen. Viele 0-Fuselage-Bastler unterschätzen in meinen Augen die Bedeutung einer strömungsgünstig auslaufenden Fuselage und schneiden diese nur lieblos gerade ab. Spleene ist hier aber definitiv auf der anderen Seite vom Pferd gefallen. Einer der wichtigsten Gründe ist ja der Gewinn neuer Freiheitsgrade in denen man das Foil um sich herum wirbeln kann, das sollte man sich nicht dadurch verderben, dass man bei jedem Sturz mit Foilberührung am Körper oder auch Wing nicht nur eine Verletzung oder Zerstörung befürchten, sondern sogar erwarten muss. Also Schleifpapiere raus und verrunden. Ein AR 3 Foil gewinnt nichts durch < 1 mm Radien an den Spitzen, selbst mein AR 4 Foil hat entspannte 3 cm Tipradien und dürfte trotzdem in der Gleitzahl selbst von einem Stabi-Freeracefoil schwer zu schlagen sein.

Fazit

Spleene hat zur richtigen Zeit das richtige Foil gebaut, um einen neuen Marktbereich für alle zu öffnen, die nicht selber basteln wollen. Als geübter Foiler geht man damit kein Risiko ein, dass einen dieses erste Monofoil überfordert und beim Kauf nur des Foils ist auch die Investitionshürde gering. Bei Kombination mit einem bestehenden Board sollte man aber noch die Möglichkeit einer sehr weit vorgelagerten Mastmontage im Blick haben, welche die Spleene Verbindungsplatte aber mit ein paar zurückversetzten Löchern bereits etwas unterstütz. Es wird spannend zu sehen, wie der Monofoil Markt in diesem und nächsten Jahr entsteht und welche Fahrstille die Leute aus den gewonnenen Freiheiten entwickeln und wann die ersten Monos in Wettkämpfen auftauchen.

Contestwertungen zum fettesten Spray mit dem Foil wird das Spleene schonmal für sich entscheiden

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