Schlaufen süßes Gift für Anfänger

Schlaufen beschleunigen den Einstieg sicherlich ein Stück. Aber sie können für Anfänger auch ein überproportional höheres Verletzungsrisiko beinhalten und das schon ab dem ersten Aufstieg aufs Brett, noch bevor es ans Fahren oder Foilen geht. Im großen Unterschied zu den meisten anderen Brettern (Skate-, Snow-, Wake-, usw.) steuert man ein Foilboard niemals über die Fußgelenke. In Anbetracht des Hebelverhältnisses aus Mast (100 cm) zu Mittelfußknochen-Fußglenk (10 cm) sollte einem schnell klar sein, wer hier immer den Kürzeren zieht. Kippt man, wie für die ersten missglückten Aufstiegsversuche üblich, das Brett nach Lee um und fällt dabei selber nach Luv zurück wird man schnell verstehen, warum Schlaufen auf einem Anfängerbrett nur wenig Hilfe aber primär Verletzungsquelle sind.
Auch denken wir, dass die häufig kopierte Formel: „mach die Schlaufen groß, dann kommst Du leichter raus!“ hier genauso falsch ist, wie bei vielen anderen Brettsportarten. Das größte Risiko von Schlaufen geht, neben dem zuvor beschriebenen Szenario, davon aus, mit einem Fuß in der Schlaufe gegen das Brett zu rotieren und dabei den Fuß zu verdrehen. Die Torsionskräfte werden dabei aber weniger über die Zehen als über die Mittelfußknochen eingeleitet. Steckt man nur mit den Zehen in einer sehr flachen breiten Schlaufe (mein aktuelles Setup) kann man sich beim Verdrehen gegen das Brett kaum in der Schlaufen halten bzw. die Schlaufe über die Zehen frei geben. Steckt man aber mit den Mittelfußknochen tief in einer zu weit eingestellten schmal verschraubten Schlaufe können sehr große zerstörerische Kräfte am Fuß wirken, ohne sich dabei befreien zu können.
Unsere Empfehlung ist es als Anfänger gar keine Schlaufen zu verwenden bis man sie wirklich braucht. Dieser Punkt ist erst erreicht, wenn es ans Springen geht. Und mit dem Springen sollte man erst beginnen, wenn das Fahrkönnen auf dem Niveau sicher geflogener Halsen mit Fußwechsel liegt. Wie schon angesprochen ist die Empfehlung Schlaufen eher breit als weit einzustellen, also den Abstand zwischen den beiden Befestigungsschrauben, soweit möglich zu vergrößern, die Schlaufe selbst dann aber so flach einzustellen, dass man nur mit den Zehen hinein passt und sich zu beiden Rotationsrichtungen auch unter Druck leicht herausdrehen kann. Die Anzahl der Schlaufen ist wohl eher Geschmacksache, wobei ich auch hier dazu tendiere, dass weniger Schlaufen eher mehr Sicherheit bringen. Beim Worldcup steht Sicherheit gegenüber Performance sicher weniger im Vordergrund, weswegen das hier übliche Setup mit drei Schaufen, zu unseren bisherigen Ausführungen wohl nicht im Widerspruch steht. Für Peter Müller ist es wichtig sein Foil bei einem Sturz im Worldcup hinter sich her zu schleifen und nicht zu verlieren. Ich persönlich bin sehr glücklich mit meinem Eine-Schlaufe-Setup, da ich möglichst viel Bewegungsfreiheit auf dem Brett möchte und beim Springen mit Boardoffs eine Schlaufe am hinteren Fuß in meinen Augen kaum Vorteile bringt. Und auch normale Sprünge sind mit einem Graps anstelle der 2ten Schlaufe nicht wesentlich schwieriger. Anders mag es bei Rotationen sein, die ich aber noch nicht oft probiert habe. Mehr zum Thema im Kapitel Fahrtechnik / Springen.

Abbildung 6: Setup mit einer breiten aber flachen Schlaufe für Fortgeschrittene mit Ambitionen fürs Springen
Abbildung 6: Setup mit einer breiten aber flachen Schlaufe für Fortgeschrittene mit Ambitionen fürs Springen

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