Eiskalt erwischt!

Mit dem Osterwochenende wurde für mich endlich wieder die Kitesurfsaison eingeläutet. Mit ein paar Freunden und Ela machte ich mich auf den Weg nach Ostfriesland und wir quartierten uns in direkter Nähe vom Wasser ein. Von der schlechten Wettervorhersage ließen wir uns nicht beeindrucken und trotzten dem launischen April. Wassertemperaturen von 5 Grad und Lufttemperaturen von ca. 6 Grad waren doch fast schon wie Sommer…
Nach der morgendlichen Anreise am Karfreitag, hielt uns das Verlangen nach einer fetten Session nicht lange in unserem warmen Ferienhaus. Am Strand angekommen, verkrochen sich unsere Köpfe sehr schnell unter unseren Wollmützen und hinter den Kragen unserer Winterjacken. Es war eisig, der Windchill lag bei 2-3 Grad. Zu blöd, wenn man keinen Winterneo hat… Kurz die Lage gecheckt ging’s dann auch schon aufs Wasser. Der Wind reichte für 12er Kites. Mit dem ablaufenden Wasser wurde die Session zwangsbeendet und nun hieß es erst mal heiß duschen und den Abend bei Heißgetränken ausklingen zu lassen. Der Platz an der Heizung war hart umkämpft.
Tag 2 begann recht kurios. Da ich ein echter Frühaufsteher bin, zog es mich bereits vor 7 Uhr aus dem Bett und ich machte Frühstück für den Rest der Bande. Mit einem Kaffe in der Hand stand ich vor der warmen Heizung, schaute aus dem Fenster und traute meinen Augen kaum. Es fing an zu Schneien! Dieser Moment hatte etwas von einem frühen winterlichen Morgen zur Weihnachtszeit. Alle schliefen noch, draußen war kein Geräusch zu vernehmen und leise rieselten die Schneeflocken zu Boden…
Nachdem wir nach dem Frühstück, dem Windgott Opfergaben in Form von verbrannten Stabdrachen überreichten, zeigte sich dieser zufrieden und schenkte uns auch für diesen Tag Wind. Für unsere 14er Kites reichte es dicke. Ganz traurig waren wir nicht über den eher „bescheidenen Wind“, es war auch schon so kalt genug ohne 30 kn um die Nase geweht zu bekommen. Diesmal gingen wir wieder mit ablaufendem Wasser raus, bis zum bitteren Ende. Schlamm soll ja bekanntlich gut für die Haut sein. Der Abend endete auch wieder grandios. An diesem Abend wurden die traditionellen Osterfeuer entzündet. Überall in der Gegend brannten große Feuer und waren schon weit aus der Ferne zu erkennen. Dachte im ersten Moment es wurden Leuchtfeuer wie in Heer der Ringe entzündet um den Endkampf einzuläuten! Puuh, aber noch mal Glück gehabt! Keine Orks unterwegs getroffen.
Wir nutzten ein Feuer um uns schön aufzuwärmen und noch mal Opfergaben in Form von Deltastabdrachen ins Feuer zu werfen. Diese hatten wir zuvor von einer Drachenwiese aufgesammelt. Als Brandbeschleuniger echt brauchbar. Die letzten beiden Kitetage forderten den ersten Tribut und es ging früh ins Bett…
Ostersonntag: Nun konnte uns nichts mehr so schnell aus der Ruhe bringen. Auch an diesem Morgen gab es einen kurzen Schneeschauer. Laut Wettervorhersage sollte kein Lüftchen an diesem Tag wehen. Am Wasser stellten wir aber eine leichte Brise fest. Zeit also um endlich meinen 19er Speed auch mal auf dem Wasser auszuprobieren. Da ich befürchtete, dass der Wind zum Nachmittag ganz einschläft, bewaffnete ich mich mit meiner alten Blümchen Door und ging bereits bei Hochwasser raus. Im unteren Windbereich waren es 7 kn, im oberen 15 kn. Der Spot gehörte mir, mir ganz allein! Es war eine traumhafte Leichtwindsession bei Sonnenschein! Um noch mal auf den Titel dieses Berichtes zurück zu kommen, gab es an diesem Tag eine kurze Schreckminute. Der Wind lag zwischen 7-15 kn. Nach einer Stunde der Session schlief der Wind schlagartig ein, sodass
der 19er vom Himmel fiel. Da hieß es Ruhe bewahren. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Wind nun Feierabend gemacht hatte. Somit harrte ich wenige Minuten im Wasser aus, während mir das 5 Grad kalte Wasser in den Nacken lief. Diese wenigen Minuten kamen mir sehr lang vor. Schwimmen war nicht drin, da die Strömung noch zu stark war, ich konnte den Wattboden nur mit den Zehenspitzen berühren. Dann plötzlich, nach der Windpause, blies dieser wieder aus einer neuen Windrichtung. Den 19er konnte ich sofort wieder aus dem Wasser starten, dass Board einsammeln und an Land draggen. Das reichte nun für diesen Tag.
Leute, kitet mit Bedacht und Verstand. Wenn ihr in solchen Situationen gelangt, bewahrt Ruhe, dann könnt ihr auch klar denken und wisst was zu tun ist. Wenn nichts mehr gegangen wäre, dann hätte ich sofort Hilfe durch meine Freunde erhalten.
Um diese Story aber nicht düster enden zu lassen, möchte ich noch mal meine Begeisterung für die super Leichtwindeigenschaften des 19er Speeds aussprechen. In Kombination mit einem großen Brett, einfach unschlagbar. Diese Situtation hat mir aufgezeigt, dass man sich auch auf einen Flysurfer Kite (Foilkite) in Grenzsitutionen hundert prozentig verlassen kann und die auf dem Wasser liegende Matte sehr gut wieder gestartet bekommt, wenn man mit der nötigen Ruhe ans Werk geht.
Da wir jeden Tag erst bei ablaufendem Wasser rausgingen, nutzten wir die übrige Zeit für tolle weitere Unternehmungen. Es machte richtig Spaß den neuen Nachwuchskitern auf der Drachenwiese in Dornumersiel zuzuschauen, welche u.a. von Emmanuel trainiert worden sind. An diesem Wochenende fand nämlich auch das KLBA Young Guns Camp statt. Hierzu wird Emmanuel mit Sicherheit noch ausführlich berichten. Ein weiteres Highlight war mein erstes Groundhandling mit einem Gleitschirm. Könnte ein weiteres Hobby werden…Genug der Worte!

Wir sehen uns auf dem Wasser
euer
Chris

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